Sonntag, 6. Oktober 2013

Die deutsche Fassung erschien erstmalig bei www.pronik.org am 5.10.2013


Übersetzung aus Arch. Toxicol., 2013 © B. Mayer

Wieviel Nikotin tötet einen Menschen? Fragwürdige Selbstversuche im 19.
Jahrhundert als Quelle der allgemein akzeptierten letalen Dosis

Bernd Mayer

Pharmakologie und Toxikologie, Institut für Pharmazeutische Wissenschaften, Karl-
Franzens-Univeristät Graz, Univ.-Platz 2, A-8010 Graz, Austria
Tel.: +43-316-380-5567, Fax: +43-316-380-9890, e-mail: mayer@uni-graz.at

Die Toxizität von Nikotin ist in den vergangenen Jahren durch die
Markteinführung neuartiger nikotinhaltiger Produkte wie rauchlosem Tabak oder
Liquids für elektronische Zigaretten, die in den meisten Ländern frei erhältlich sind,
zunehmend relevant geworden. Laut Standardlehrbüchern, Datenbanken und
Sicherheitsdatenblättern ist die für En/vachsene letale Dosis 60 mg oder weniger (30
- 60 mg), was Sicherheitswarnungen zur Folge hat, wonach das Verschlucken von
fünf Zigaretten oder 10 ml einer verdünnten nikotinhaltigen Lösung für einen
Erwachsenen tödlich sein kann. Die 60 mg Dosis entspricht einer oralen LDÖO von
etwa 0.8 mg/kg, ist also wesentlich kleiner als die an Labortieren ermittelten Werte,
die zwischen 3.3 (Maus) und über 50 mg/kg (Ratte) liegen (Hayes 1982).

Obwohl eine LD50 von 0.8 mg/kg impliziert, dass Nikotin ähnlich giftig oder
sogar giftiger als Cyanid ist, sind tödliche Nikotinvergiftungen recht selten und es gibt
zahllose Berichte über Menschen, die den Konsum von wesentlich mehr als 60 mg
Nikotin überlebt haben. (Larson et al. 1961). Das dramatischte Beispiel ist wohl das
Überleben eines Selbstmordversuchs mit 4 g reinem Nikotin (Schmidt 1931). Obwohl
dies sicherlich ein außergewöhnlicher Fall ist, bei dem die Menge an bioverfügbarem
Nikotin durch Erbrechen deutlich reduziert wurde, führten Tabak und
Nikotinkaugummis in einer Dosierung von bis zu 6 mg Nikotin pro kg Körpergewicht
zwar zu Vergiftungssymptomatik aber nicht zum Tod (Malizia et al. 1983; Smolinske
et al. 1988 ). Diese und viele andere Berichte über nicht-fatale Vergiftungsfälle sind
kaum mit der akzeptierten letalen Nikotindosis von 60 mg oder weniger vereinbar.
Es gibt mehrere detaillierte Reviews über fatale Nikotinvergiftungen, die durch
Selbstmord oder Missbrauch nikotinhaltiger Pestizide verursacht wurden (Esser and
Kühn 1933; Larson et al. 1961; Maehly and Bonnichsen 1963; Tiess and Nagel 1966;
Hayes 1982; Corkery et al. 2010; Solarino et al. 2010). Die post-mortem-Daten in
den Übersichtsartikeln von Maehly and Bonnichsen (1963) und kürzlich von Corkery
et al. (2010) und Solarino et al. (2010) weisen auf minimale letale Nikotinblutspiegel
von 2 mg/L hin. Da die Nikotinkonzentration nach dem Tod aber rasch abnimmt,
wurden die Blutspiegel im Zuge zeitverzögerter Autopsien vermutlich unterbestimmt.
Trotz dieser Unsicherheiten und der komplexen Pharmakokinetik von Nikotin
(Hukkanen et al. 2005), erscheint es möglich, aufgrund der post-mortem
gemessenen Blutspiegel die Menge an verschlucktem Nikotin grob abzuschätzen.
Beim Rauchen einer Zigarette werden etwa 2 mg Nikotin aufgenommen, was zu
Plasmakonzentrationen von etwa 0.03 mg/L (30 ng/ml) führt (Gourlay and Benowitz
1997). Bei oraler Bioverfügbarkeít von 20 % (Hukkanen et al. 2005) und unter der
Annahme linearer Kinetik hätte eine orale Dosis von 60 mg Nikotin eine Plasma-
konzentration von 0.18 mg/L zur Folge. Die Berichte in der Literatur weisen auf ein
unteres Limit der fatalen Nikotinkonzentation von 2 mg/L Blut, entsprechend etwa 4
mg/L Plasma, hin. Die minimal letale Nikotinkonzentration ist demnach etwa 20mal
höher als die Konzentration, die beim Verschlucken von 60 mg Nikotin zu erwarten
wäre. Somit ergibt eine vorsichtige Schätzung, dass das untere Limit der tödlich
wirkenden Menge von oral aufgenommenem Nikotin 0.5 - 1.0 g beträgt, was einer
oralen LD50 von 6.5 - 13 mg/kg entspricht. Dieser Weit ist ähnlich wie die LD50 für
Hunde, die dem Menschen ähnliche Nikotineffekte zeigen (Matsushima et al. 1995).

Die lnkohärenz zwischen der allgemein akzeptierten letalen Dosis und
dokumentierten Fällen von Nikotinvergiftung fühlt zur Frage nach der originalen
Quelle der 60 mg Dosis. Literatur- und Internet-Recherchen ergaben zirkuläre und oft
falsche Referenzen zu Datenbanken oder Lehrbüchern, die entweder die Dosis ohne
Referenz angeben oder wiederum ein anderes Lehrbuch zitieren und so fort. So
findet man zum Beispiel auf der Webseite der Centers for Disease Control and
Prevention (http://www.cdc.gov/niosh/idlh/54115.html) fogenden Satz: "The fatal
human dose has been estimated to be about 50 to 60 mg [Lazutka et al. 1969]".
Lazutka et al. beschreiben allerdings die Bestimmung von LD5g Werten an Mäusen
und Ratten ohne die Toxizität für Menschen auch nur zu erwähnen (Lazutka et al.
1969). Die zweite an dieser Stelle zitierte Arbeit (Lehman, 1939) wurde nicht 1939
sondern 1949 publiziert und liefert ebenfalls keine unterstützenden Daten (Lehmann
1949). Screening der vor dem 2. Weltkrieg publizierten deutschsprachigen Literatur
zeigte allerdings, dass viele Autoren als Referenz für die letale Dosis ein Lehrbuch
zitierten, das 1906 von Rudolf Kobert (1854-1918 ), einem renommierten
Pharmakologen und Pionier der Toxikologie in Deutschland, publiziert wurde. In
seinem Lehrbuch der lntoxikationen trifft Kobert im Kapitel über Nikotin folgende
Aussage (Kobert 1906):

"Vom reinen Nik. ist die lethale Dosis ebenfalls schwer zu bestimmen, da es sich an
der Luft leicht etwas zersetzt und andererseits meistens mehr oder weniger
wasserhaltig ist; doch nach den üblen Zufällen [sic!], die bei mehreren
Experimentatoren schon 0.002-0.004 g hervorbrachten, ist sie wohl sicher nicht
höher als 0.06 g."

Es steht außer Zweifel, dass dieser kurze, nicht sonderlich überzeugende
Absatz die originale Quelle für die letale Niktindosis ist, auf die wir uns 100 Jahre
später noch immer beziehen. Welche "üblen Zufä|le" haben nun Kobert zu dieser
folgenschweren Schlussfolgerung verleitet? In seinem Buch veıweist er den Leser
auf Selbstversuche von Dworzack und Heinrich, Mitarbeitern des österreichischen
Pharmakologen Carl Damian von Schroff (1802-1887), die dieser 1856 in seinem
Lehrbuch cler Pharmakologie ausführlich beschrieben hat (Schroff 1856). Kobert
bringt in seinem Buch eine verkürzte und sprachlich modernisierte Version dieses
Berichts: (Kobert 1906):

"Die Sympt. sind durch Selbstversuche von Reil und später von Dworzack und
Heinrich (unter D. Schroff) genau festgestellt worden. Die letztgenannten Autoren
empfanden nach 1-4 mg Nik. Brennen im Munde, Kratzen im Rachen, vermehrte
Speichelabsonderung, dann vom Magen ausgehend ein Gefühl von Wärme, die sich
über die Brust und den Kopf bis in die Zehen- und Fingerspitzen verbreitete. Nachher
wurden die Genannten aufgeregt, litten an Kopfschmerz, Schwindel, Betäubung,
undeutlichem Sehen und Hören, an Lichtscheu, Beklommenheit, Trockenheit im
Schlunde, Kälte in den Extremitäten, Ructus, Flatulenz, Nausea, Erbrechen und
Stuhldrang. Die Atmung wurde beschleunigt und angestrengt; die Pulsfrequenz
nahm anfänglich zu und zwar umso mehr, je größer die Dosis war; später aber
wechselte reglos Zunahme und Abnahme derselben. Nach Verlauf von 45 Minuten
wurden die Experimentatoren ohnmächtig. Bei dem einen kam es zu 2 Stunden
anhaltenden klonischen Krämpfen, besonders der Atemmuskeln, zu Zittern der
Extremitäten und Schütteln des ganzen Körpers. Nach eingetretener Besserung blieb
doch Abgeschlagenheit, Schläfrigkeit und trostlose Stimmung noch 3 Tage lang
zurück."

Einige dieser Effekte erinnern an die Symptome von Nikotinüberdosierung,
aber 1 bis 4 mg orales Nikotin bewirken sicherlich nicht derartig schwere Vergiftungs-
symptomatik, wie z.B. klonische Krämpfe oder Bewußtlosigkeit. Seltsamerweise
erwähnt Kobert den Pharmakologen Wilhelm Reil, ignoriert allerdings dessen Bericht
über wenig ausgeprägte Symptome, die er an sich selbst nach dem Verschlucken
von bis zu 7.5 mg Nikotin (15 Tropfen einer Lösung von 1 Tropfen Nikotin in 100
Tropfen Alkohol) verspürt hat (Reil 1857). Tatsächlich haben neuere Studien gezeigt,
dass die intravenöse Verabreichung von bis zu 5 mg Nikotin, entsprechend 25 mg
oral, d.h. 50 % der angeblich letalen Dosis, nur zu milden Symptomen wie Husten
und Schwindel führte (Henningfield et al. 1983; Gourlay and Benowitz 1997).
Kobert's Schätzung der letalen Dosis beruht demnach auf überaus fragwürdigen
Selbstversuchen, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts durchgeführt wurden, wobei
er abweichende Beobachtungen offensichtlich ignoriert hat. Sein hervorragender Ruf
als führender Toxikologe fühne offensichtlich zur unkritischen Akzeptanz und
Zitierung der 60 mg Dosis durch Kobert's Zeitgenossen und spätere Wissenschaftler.
Die Diskrepanz zwischen der 60 mg Dosis und publizierten Fällen von
Nikotinvergiftungen wurde bereits früher erwähnt (Matsushima et al. 1995; Metzler et
al. 2005), aber dennoch wird dieser Wert noch immer ohne kritische Prüfung
akzeptiert und dient als Grundlage für die weltweiten Sicherheitsbestimmungen von
Tabak und anderen nikotinhaltigen Produkten. Nikotin ist eine giftige Substanz, die
mit Vorsicht handzuhaben ist. Überwältigende Daten legen allerdings nahe, dass
mindestens 0.5 g orales Nikotin erforderlich ist, um einen Erwachsenen zu töten. Die
häufigen Warnungen vor möglichen Todesfällen durch das Verschlucken kleiner
Mengen an Tabak oder verdünnter nikotinhaltiger Lösungen sind daher nicht
gerechtfertigt und sollten revidiert werden.

Literatur
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Freitag, 4. Oktober 2013

Prof. Bernd Mayer ist vielen Dampfern bekannt allerdings nur unter seinem Foren-Nick. Sie sollten sich näher mit ihm beschäftigen denn er hat mit etwas Unterstützung durch pronik.org den Mythos vom Nervengift Nikotin, das tödlicher ist als Arsen, Strychnin oder Klapperschlangengift in das Reich der Märchen verwiesen. Die Erschütterung des Weltbilds vieler Leute und insbesondere der Gegner des Dampfens werden wir in den nächsten Tagen live erleben.

Prof. Bernd Mayers Artikel zum Thema Nikotin kommt gerade recht als Einstieg in das Thema Rauchen und Dampfen.

How much nicotine kills a human? Tracing back the generally accepted lethal dose to dubious self-experiments in the nineteenth century

Bernd Mayer 
(1)
Department of Pharmacology and Toxicology, Karl-Franzens University Graz, Univ.-Platz 2, 8010 Graz, Austria
Bernd Mayer
Received: 26 August 2013Accepted: 5 September 2013Published online: 4 October 2013
Without Abstract
The human toxicity of nicotine has become increasingly relevant in the past couple of years through marketing of new nicotine-containing products, such as smokeless tobacco and liquids for electronic nicotine delivery systems (electronic cigarettes) that are freely available in most countries. Standard textbooks, databases, and safety sheets consistently state that the lethal dose for adults is 60 mg or less (30–60 mg), leading to safety warnings that ingestion of five cigarettes or 10 ml of a dilute nicotine-containing solution could kill an adult. The 60-mg dose would correspond to an oral LD50 of around 0.8 mg/kg, a dose that is considerably smaller than the values determined for laboratory animals, which are ranging from 3.3 (mice) to more than 50 mg/kg (rats) (Hayes 1982).
Although an LD50 of 0.8 mg/kg would implicate that the toxicity of nicotine is similar to or even higher than that of cyanide, fatal nicotine intoxications are relatively rare, and there are countless records of subjects who survived consumption of nicotine in amounts far higher than 60 mg (Larson et al. 1961). The most drastic example is probably survival of a suicide attempt with 4 g of pure nicotine (Schmidt 1931). While this is certainly an exceptional case, in which the amount of bioavailable nicotine was markedly reduced by vomiting, ingestion of tobacco or nicotine gums at doses up to 6 mg/kg nicotine was reported to evoke symptoms of intoxication without causing death (Malizia et al. 1983; Smolinske et al. 1988). These and many other literature reports on nonfatal nicotine intoxications are hardly compatible with a lethal dose of 60 mg or less.
Several detailed reviews are available on fatal nicotine intoxications caused by either suicidal intent or accidents, latter mainly resulting from misusage of nicotine-containing solutions marketed as pesticides (Esser and Kühn 1933; Larson et al. 1961; Maehly and Bonnichsen 1963; Tiess and Nagel 1966; Hayes 1982; Corkery et al. 2010; Solarino et al. 2010). The postmortem data reviewed by Maehly and Bonnichsen (1963) and more recently by Corkery et al. (2010) and Solarino et al. (2010) revealed minimal nicotine blood levels of 2 mg/L, but rapid decline of blood nicotine after death (Sanchez et al. 1996) may have led to underestimation of the actual lethal concentration in delayed autopsies.
Despite these uncertainties and the complex pharmacokinetics of nicotine (Hukkanen et al. 2005), a rough estimate of the amount of ingested nicotine from postmortem analyses of blood levels appears feasible. Smoking a cigarette results in uptake of approximately 2 mg of nicotine and gives rise to mean arterial plasma concentrations of about 0.03 mg/L (30 ng/ml) (Gourlay and Benowitz 1997). Based on 20 % oral bioavailability of nicotine (Hukkanen et al. 2005) and assuming linear kinetics, an oral dose of 60 mg would give rise to a plasma concentration of about 0.18 mg/L. The literature reports on fatal nicotine intoxications suggest that the lower limit of lethal nicotine blood concentrations is about 2 mg/L, corresponding to 4 mg/L plasma, a concentration that is around 20-fold higher than that caused by intake of 60 mg nicotine. Thus, a careful estimate suggests that the lower limit causing fatal outcomes is 0.5–1 g of ingested nicotine, corresponding to an oral LD50 of 6.5–13 mg/kg. This dose agrees well with nicotine toxicity in dogs, which exhibit responses to nicotine similar to humans (Matsushima et al. 1995).
The mismatch between the generally accepted lethal dose and documented cases of nicotine intoxication raises the question for the genuine source of the 60-mg dose. Literature and Internet searches provided circular and often misleading references to databases or textbooks, which either simply state the dose without reference or refer to another textbook and so on. To give an example, the following statement is found on the webpage of the Centers for Disease Control and Prevention (http://www.cdc.gov/niosh/idlh/54115.html): “The fatal human dose has been estimated to be about 50–60 mg (Lazutka et al. 1969). However, Lazutka et al. describe the determination of LD50 values for mice and rats and do not even mention human toxicity (Lazutka et al. 1969). The second paper cited on this Web site (Lehman 1949) was actually published in 1949, and neither provides any supporting data (Lehmann 1949). Screening the German literature published before World War II eventually revealed references to a textbook published in 1906 by Rudolf Kobert (1854–1918), a renowned pharmacologist and pioneer of toxicology in Germany. In the chapter on nicotine of his Lehrbuch der Intoxikationen, Kobert makes the following statement (Kobert 1906):
Vom reinen Nik. ist die lethale Dosis ebenfalls schwer zu bestimmen, da es sich an der Luft leicht etwas zersetzt und andererseits meistens mehr oder weniger wasserhaltig ist; doch nach den üblen Zufällen [sic!], die bei mehreren Experimentatoren schon 0.002–0.004 g hervorbrachten, ist sie wohl sicher nicht höher als 0.06 g.
English translation (by B.M.)
The lethal dose of pure nicotine is also difficult to determine, because it easily decomposes a bit and, on the other hand, mostly contains more or less water; however, in accordance with the severe symptoms evoked in several experimenters by 0.002–0.004 g it is certainly not going to be higher than 0.06 g.
It is beyond any doubt that this short, not particularly convincing paragraph represents the genuine origin of the lethal nicotine dose we still refer to more than 100 years later. What kind of severe symptoms did the experimenters develop that led Kobert to his momentous conclusion? In his book he refers the reader to self-experiments performed by Dworzack and Heinrich, which the Austrian pharmacologist Carl Damian von Schroff (1802–1887) comprehensively described in a Pharmacology textbook (Schroff 1856). Kobert presents a copy of Schroff’s report in condensed and modernized style (Kobert 1906):
Die Sympt. sind durch Selbstversuche von Reil und später von Dworzack und Heinrich (unter D. Schroff) genau festgestellt worden. Die letztgenannten Autoren empfanden nach 1–4 mg Nik. Brennen im Munde, Kratzen im Rachen, vermehrte Speichelabsonderung, dann vom Magen ausgehend ein Gefühl von Wärme, die sich über die Brust und den Kopf bis in die Zehen- und Fingerspitzen verbreitete. Nachher wurden die Genannten aufgeregt, litten an Kopfschmerz, Schwindel, Betäubung, undeutlichem Sehen und Hören, an Lichtscheu, Beklommenheit, Trockenheit im Schlunde, Kälte in den Extremitäten, Ructus, Flatulenz, Nausea, Erbrechen und Stuhldrang. Die Atmung wurde beschleunigt und angestrengt; die Pulsfrequenz nahm anfänglich zu und zwar umso mehr, je größer die Dosis war; später aber wechselte reglos Zunahme und Abnahme derselben. Nach Verlauf von 45 Minuten wurden die Experimentatoren ohnmächtig. Bei dem einen kam es zu 2 Stunden anhaltenden klonischen Krämpfen, besonders der Atemmuskeln, zu Zittern der Extremitäten und Schütteln des ganzen Körpers. Nach eingetretener Besserung blieb doch Abgeschlagenheit, Schläfrigkeit und trostlose Stimmung noch 3 Tage lang zurück.
English translation (by B.M.)
The symptoms were determined exactly in self-experiments by Reil and later by Dworzack and Heinrich (under D. Schroff). After 1–4 mg of nicotine, these authors felt a burning sensation in the mouth, scratchy throat, increased saliva excretion, followed by a feeling of warmness emanating from the stomach, which spread over the chest and from the head to the toes and fingertips. Afterwards the subjects became agitated, suffered from headache, dizziness, numbness, cloudy vision and hearing, light sensitivity, anxiety, dryness of the throat, coldness of the limbs, ructus [belch], flatulence, nausea, vomiting and rectal tenesmus. Respiration was accelerated and labored, pulse rate increased initially, and rose directly with the increasing dose; but later rose and fell erratically. After 45 min the experimenters lost consciousness. One of them suffered clonic seizures for 2 h, particularly of the respiratory muscles, also tremors of the limbs and shivering over the whole body. After the initial recovery, feelings of exhaustion, drowsiness and bleakness remained for 3 days.
Some of these effects resemble typical symptoms of nicotine overdosing, but 1–4 mg of oral nicotine will certainly not evoke the severe adverse effects described, such as clonic seizures and loss of consciousness. Curiously, Kobert mentioned the Pharmacologist Wilhelm Reil but ignored Reil’s account on very mild symptoms caused by self-ingestion of up to around 7.5 mg of nicotine (15 drops of a solution of 1 drop of nicotine in 100 drops of alcohol) (Reil 1857). Indeed, more recent studies have shown that intravenous administration of up to 5 mg of nicotine, corresponding to 25 mg oral, i.e., 50 % of the allegedly lethal dose, led to only minor adverse effects, such as coughing and nausea (Henningfield et al. 1983; Gourlay and Benowitz 1997). Thus, Kobert estimated the lethal dose of nicotine on the basis of highly dubious self-experiments performed in the mid of the nineteenth century while ignoring conflicting data. His excellent reputation as a leading scholar in toxicology has apparently led to uncritical acceptance and citation of the 60-mg dose by contemporary fellows and successive researchers.
The discrepancy between the 60-mg dose and published cases of nicotine intoxication has been noted previously (Matsushima et al. 1995; Metzler et al. 2005), but nonetheless, this value is still accepted without scrutiny and taken as the basis for worldwide safety regulations of tobacco and other nicotine-containing products. Nicotine is a toxic compound that should be handled with care, but the frequent warnings of potential fatalities caused by ingestion of small amounts of tobacco products or diluted nicotine-containing solutions are unjustified and need to be revised in light of overwhelming data indicating that more than 0.5 g of oral nicotine is required to kill an adult.
Acknowledgments
I thank Christa Kern from my department for invaluable assistance in literature search and Dr. Ellen Zechner (Department of Molecular Biosciences, Karl-Franzens University Graz, Austria) for her help with the translation of the antiquated German text. Support from the Austrian Science Fund (P24005 and P24946) is gratefully acknowledged.
Open Access
This article is distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License which permits any use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author(s) and the source are credited.
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http://link.springer.com/article/10.1007/s00204-013-1127-0/fulltext.html  

Eine autorisierte deutsche Übersetzung erscheint demnächst bei pronik.org.